Sudan: Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ethnische Säuberungen in Al-Faschir; Neuer Bericht zu Sudan

BERLIN, 01.07.2026 – 18 Monate lang belagerten die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) die Stadt Al-Faschir in Nord-Darfur. Ziel war die Eliminierung der nicht-arabischen Bevölkerung der Stadt – Amnesty International dokumentiert in dem heute veröffentlichten Bericht „City Under Siege, Children Under Fire“, wie die Zivilbevölkerung von Anfang 2024 bis Oktober 2025 systematisch an der Flucht gehindert, entführt und getötet wurde. Amnesty ordnet die Menschenrechtsverletzungen durch die RSF als Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und ethnische Säuberungen ein.

  • Paramilitärische Gruppe Rapid Support Forces verantwortlich für Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ethnische Säuberungen
  • Kinder gezielt von RSF-Kämpfern ins Visier genommen
  • Waffenstillstand und internationale Mission zum Schutz der Zivilbevölkerung dringend erforderlich

Kinder waren die Hauptleidtragenden 
Zu den Verbrechen der RSF zählten Mord und Massakrierung insbesondere von Jungen und Männern, Verschleppung, Inhaftierung, Folter, Vergewaltigung, sexuelle Versklavung und andere Formen sexualisierter Gewalt gegen Mädchen und Frauen. Hunderttausende Kinder wurden vertrieben, unzählige Kinder wurden zu Waisen. 70 Prozent litten unter Mangelernährung, da die humanitäre Versorgung der Stadt durch die RSF verhindert wurde. Kinder wurden außerdem zwangsweise als Soldat*innen rekrutiert.

Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, kritisiert die internationale Gemeinschaft: „Der Konflikt in Sudan hat sich zu einem Krieg gegen die Zivilbevölkerung entwickelt, bei dem Kinder durch die RSF zur Zielscheibe gemacht werden. Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, endlich zu handeln, um den seit drei Jahren andauernden Krieg zu beenden.“

Hintergrund: Krieg in Sudan, Krieg in Darfur
Seit April 2023 eskaliert der gewaltsame Kampf um die Regierungsmacht zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) und der RSF. Bis zu 14,5 Millionen Menschen sind seit Beginn des Konfliktes vertrieben worden, zwölf Millionen Menschen, vor allem Frauen und Mädchen, sind von geschlechtsspezifischer Gewalt bedroht. Zwei Drittel aller Menschen in Sudan sind von akuter Mangel- und Unterernährung betroffen.

Nach Einschätzung von Amnesty International führten die RSF in Al-Faschir eine Kampagne ethnischer Säuberungen durch, die sich gegen die nicht-arabische Bevölkerung richtete. Den größten Teil der Bevölkerung stellen Zaghawa. Bis November 2023 hatte die RSF die Hauptstädte in vier von fünf Bundesstaaten der Region Darfur unter ihre Kontrolle gebracht. Al-Faschir, die Hauptstadt von Nord-Darfur, war die einzige Stadt, die noch Widerstand leistete.

RSF-Kämpfer steckten Siedlungen in Brand, lange nachdem die Bewohner*innen bereits geflohen waren, was darauf schließen lässt, dass sie die Gebiete unbewohnbar machen wollten. Die RSF kontrolliert weiterhin Gebiete um Al-Faschir herum und verhindert, dass Vertriebene zurückkehren können. Zusammen mit den gezielten Angriffen auf die Bevölkerung und dem Versuch des Aushungerns kommen diese Maßnahmen der ethnischen Säuberung der Gemeinschaft der Zaghawa gleich.

Befehlshaber identifiziert
Amnesty International konnte für den vorliegenden Bericht drei zuständige RSF-Befehlshaber identifizieren, die für die Verbrechen in Al-Faschir zur Verantwortung gezogen werden müssen. Während der Belagerung von Al-Faschir hatten RSF-Mitglieder Massenhinrichtungen und Folter per Video festgehalten und die Aufnahmen veröffentlicht. Die Menschenrechtsverstöße wurden wiederholt und großflächig begangen, was darauf hindeutet, dass Befehlshabende von ihnen wussten und nichts unternahmen, diese zu verhindern oder die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Forderungen von Amnesty International
Amnesty fordert einen sofortigen Waffenstillstand. Folgende weitere Schritte sind zudem notwendig:

  • Internationale Mission: Amnesty fordert die Entsendung einer AU-geführten Mission unter UN-Mandat, unabhängig und angemessen ausgestattet, um Zivilist*innen zu schützen.
  • Stopp von Waffenlieferungen: Die Bundesregierung muss die Lieferung von Waffen an Konfliktparteien einstellen. Das schließt die Vereinigten Arabischen Emirate ein. Der UN-Sicherheitsrat muss zudem das gegen Darfur verhängte Waffenembargo auf das gesamte Land ausweiten.
  • Humanitäre Hilfe: Der Sudan leidet unter den Folgen der Kürzungen bei der humanitären Hilfe. Alle internationalen Partner des Sudan müssen dafür sorgen, dass die Flüchtlinge und Vertriebenen angemessene Hilfsleistungen zur Krisenbewältigung erhalten, darunter auch gezielte Leistungen für Kinder.
  • Strafverfolgung: Unabhängige Ermittlungen und Strafverfolgung der im Bericht genannten Kommandeure. Die bestehenden Rechenschaftsmechanismen müssen gestärkt werden, insbesondere der Internationale Strafgerichtshof und die Untersuchungsmissionen der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union.

Den Amnesty-Bericht „City Under Siege, Children Under Fire: Rapid Support Forces` Crimes Against Humanity in North Darfur“ finden Sie hier.