SUDAN
- Internationale Sanktionen
Der UN-Sicherheitsrat hat Sanktionen gegen vier Kommandeure der paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) verhängt – Abdul Rahim Hamdan Dagalo, Gedo Hamdan Ahmed, Al-Fateh Abdullah Idris und Tijani Ibrahim Moussa Mohamed. Ihnen werden mutmaßliche Massaker, ethnisch motivierte Gewalt und Sexualverbrechen im Zusammenhang mit der Eroberung von El-Fasher vorgeworfen. Im Oktober hatten Truppen der RSF die lang umkämpfte Stadt eingenommen, in der sich zu dem Zeitpunkt noch um die 260.000 Geflüchtete aufgehalten haben sollen.
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2025-11/sudan-daglo-rsf-sanktionen-eu-al-faschir
- Internationale Reaktionen
Amnesty International erklärte vor dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen am 9. Februar 2026 zur Menschenrechtslage in und um El Fasher im andauernden Sudan-Konflikt folgendes:
- Die Übernahme von El Fasher durch die RSF (Oktober 2025) war mit Massenmorden an Zivilist*innen, weit verbreiteter sexueller Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Geiselnahmen zur Erpressung von Lösegeld, Plünderungen und der Zerstörung von Häusern und Infrastruktur verbunden.
- Amnesty dokumentierte, dass die RSF und verbündete Kräfte Zivilist*innen töteten und über 400.000 Menschen in der Region vertrieben, darunter auch im Geflüchtetenlager Zamzam.
- Die anhaltenden Kämpfe zwischen der SAF und der RSF in Orten wie El Obeid lassen weitere Gräueltaten gegen Zivilist*innen befürchten.
- In El Fasher und Kadugli wurde eine Hungersnot bestätigt, und auch in vielen anderen Gebieten wird vor einer Hungersnot gewarnt. Es ist dringend humanitäre Hilfe erforderlich.
Die Vereinten Nationen berichten, dass der Krieg im Sudan im Jahr 2026 weltweit den größten humanitären Bedarf verursacht hat, wobei 34 Millionen Menschen Hilfe benötigen. Über 20 Millionen Menschen benötigen dringend Nahrung, Wasser, medizinische Versorgung und Unterkünfte, aber der Zugang ist blockiert und die Helfer sind großen Gefahren ausgesetzt. Beide Konfliktparteien haben schwere Menschenrechtsverletzungen begangen, darunter Massenmorde, sexuelle Gewalt, willkürliche Inhaftierungen, Angriffe auf Zivilist*innen und die Zerstörung von Häusern und Infrastruktur. Im Jahr 2025 hat die VN über 500 Opfer sexueller Gewalt identifiziert, darunter Vergewaltigung, Gruppenvergewaltigung, sexuelle Folter und Sklaverei – in einigen Fällen mit tödlichem Ausgang.
Die Gewalt durch die paramilitärische Gruppe Rapid Support Forces in der sudanesischen Stadt al-Fasher trage „die Merkmale eines Völkermords“, erklärten die Außenminister der Sudan-Kerngruppe (Deutschland, Irland, Niederlande, Norwegen und Vereinigtes Königreich) in einer Erklärung vor dem UN-Menschenrechtsrat.
https://www.ecoi.net/en/file/local/2136491/AFR5406982026ENGLISH.pdf
https://news.un.org/en/story/2026/02/1167044
- Humanitäre Krise
Am 19.02.2026 veröffentlicht der Hohe Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen zur Unterstützung der durch den Krieg im Sudan vertriebenen Menschen einen Hilfsappel. Im Rahmen des Regionalen Flüchtlingshilfeprogramms für den Sudan für 2026 werden rund 1,6 Milliarden US-Dollar benötigt, um schätzungsweise 5,9 Millionen Geflüchteten und Neuankömmlingen in sieben Nachbarländern – darunter Tschad, Ägypten, Äthiopien, Südsudan, Libyen, Uganda und die Zentralafrikanische Republik – mit Nothilfe wie Lebensmitteln, Unterkünften, Gesundheitsversorgung und Schutz zu helfen. Der Plan sieht auch vorrangige Unterstützung für etwa 470.000 neue Geflüchtete vor, die im Jahr 2026 erwartet werden. Der Appell betont, dass der Konflikt die weltweit größte Vertreibungskrise ausgelöst hat, mit anhaltenden Kämpfen im Sudan und einer starken Belastung der humanitären Hilfe und Ressourcen.
https://reliefweb.int/report/sudan/unhcr-sudan-situation-appeal-2026
- Angriffe auf Zivilist*innen und besondere Schutzbedürftige
Human Rights Watch (HRW) berichtete, dass Menschen mit Behinderungen in Nord‑Darfur von RSF‑Kämpfern gezielt misshandelt, getötet, eingesperrt oder zur Lösegeldforderung festgehalten wurden. Viele Opfer wurden wegen ihrer Beeinträchtigung angegriffen. HRW beschreibt die Einzelschicksale.
RSF-Einheiten töteten mindestens 28 Menschen bei einem Angriff auf Misteriha im Norden von Darfur; dabei wurden auch zivile Infrastruktur und ein Gesundheitszentrum beschädigt.
Freiwillige, die in Suppenküchen für Vertriebene arbeiten, sind vermehrt ins Visier geraten — über 100 Helfer*innen lokaler Suppenküchen in Dafur wurden seit Anfang des Konflikts getötet, entführt oder misshandelt.
https://www.hrw.org/news/2026/02/24/sudan-people-with-disabilities-targeted-in-north-darfur
SÜD-SUDAN
- UN-Warnungen vor Eskalation und Rückfall in Bürgerkrieg
Der Südsudan befindet sich an einem gefährlichen Wendepunkt: Die Gewalt nimmt erneut stark zu, und das 2018 geschlossene Friedensabkommen steht erheblich unter Druck. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk warnte vor einem möglichen Rückfall in einen vollständigen Bürgerkrieg. In mehreren Bundesstaaten haben Regierungstruppen, Oppositionskräfte und verbündete Milizen gezielt Wohngebiete angegriffen, was zu massiven Vertreibungen führte. Allein in Jonglei flohen mehr als 280.000 Menschen, und im Januar wurden 189 Zivilist*innen getötet, während die Zahl der Menschenrechtsverletzungen um etwa 45 % anstieg. Die Zivilbevölkerung leidet unter wahllosen Angriffen, Luftangriffen, gezielten Tötungen, Entführungen und sexualisierter Gewalt. Die humanitäre Lage ist extrem angespannt. Türk rief zu einem sofortigen Ende der Kämpfe und zu einer erneuten Verpflichtung auf das Friedensabkommen auf.
https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-05/un-suedsudan-gewalt-menschenrechte
- Systematische Menschenrechtsverletzungen dokumentiert
Amnesty International betonte vor dem UN‑Menschenrechtsrat, dass ein neuer Bericht der Commission on Human Rights in South Sudan (CHRSS) eine zunehmende Zahl schwerer Menschenrechtsverletzungen und Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht nachweist. Amnesty forderte die Verlängerung des Mandats der CHRSS und eine stärkere internationale Reaktion.
Zu den dokumentierten Verstößen gehören unter anderem:
- willkürliche Tötungen von Zivilpersonen;
- Luftangriffe auf nichtmilitärische Ziele;
- Zwangsrekrutierung von Jugendlichen;
- weit verbreitete Straflosigkeit für Verantwortliche
https://apnews.com/article/sudan-darfur-rsf-paramilitary-attack-c7d06dbcb6d7f40139b380de075bf47a
- Zivilopfer, Massenvertreibungen und humanitäre Krise
UN-Berichte zeigen einen markanten Anstieg der gewaltsamen Tötungen von Zivilist*innen, darunter viele Frauen, Kinder und ältere Menschen.
Massive Zivilvertreibung in Staaten wie Jonglei und Upper Nile hat zu einer schwerwiegenden humanitären Katastrophe geführt – Hunderttausende sind ohne Schutz, Nahrung oder Zugang zu medizinischer Versorgung.
In einem abgelegenen Dorf im Südsudan wurden mindestens 169 Menschen getötet, darunter 90 Zivilist*innen, bei einem Angriff von bewaffneten Aufständischen. Frauen und Kinder gehörten zu den Opfern, über 1.000 Zivilist*innen suchten Schutz bei einer UN-Mission. Die Gewalt ist Teil einer eskalierenden Welle von Kämpfen zwischen Regierungstruppen und oppositionellen Kräften, die den ohnehin fragilen Frieden weiter gefährdet.
https://www.reuters.com/world/africa/south-sudan-dangerous-point-killings-surge-un-says-2026-02-27
https://apnews.com/article/south-sudan-violence-insurgents-69a8a9bf191c0c2d8583fbc37ff9ae70