Newsletter Sudan/Südsudan Januar 2026

Sudan

  1. Aktuelle Entwicklungen

 In Nord Kordofan wurden Kämpfer*innen der RSF durch die SAF gefangen genommen. Darunter sollen auch mehrere Süd-Sudanes*innen sein, so SAF Quellen.

Hamid Ali Abubakar, Sicherheitsberater von RSF-Kommandant Mohammed Hamdan Dagalo “Hemeti” wurde bei einem Drohnenangriff durch die SAF nahe Zalingei, der Hauptstadt von Zentral Darfur, getötet.

Die sudanesische Armee erklärte Anfang 2026, sie habe die Belagerung von al-Dalanj beendet und die Straße nach Kadugli geöffnet. Internationale Beobachter berichten, dass die Blockade von al-Dalanj und Kadugli zu extremen Versorgungsengpässen, Hunger und Todesfällen führte, weil der Zugang zu Nahrung und lebenswichtigen Gütern lange Zeit blockiert war. Al-Dalanj ist eine der größten Städte in Kordofan.

Intensive Gefechte und Luftangriffe (Drohnen und Artillerie) setzten sich rund um al-Obeid und Kadugli fort – beide sind strategisch wichtige Städte im Kordofan-Gebiet.

https://www.aljazeera.com/news/2026/1/3/sudan-sources-say-south-sudanese-among-captured-rsf-members-as-war-rages

https://www.reuters.com/world/africa/sudans-army-says-it-breaks-siege-southern-city-survivors-recount-hunger-death-2026-01-27

https://www.reuters.com/world/africa/sudanese-army-says-it-has-broken-siege-famine-stricken-kadugli-2026-02-03/

https://sudantribune.com/article/308882

  1. Menschenrechtsverletzungen

Beschreibungen, die auf Interviews von Reuters mit mehr als zwei Dutzend Zeug*innen basieren, umfassen vier Berichte, die darauf hindeuten, dass Kinder von RSF-Soldat*innen entführt und als Sklaven eingesetzt wurden.

Der UN-Hochkomissar warnt vor Verschärfungen der Menschenrechtsverletzungen in Kordofan darunter Massenexekutionen, sexuelle Gewalt sowie Angriffe auf Wohngebiete.

https://www.ohchr.org/en/press-briefing-notes/2026/01/sudan-warn-about-intensification-kordofan

https://www.reuters.com/world/africa/sudanese-paramilitary-force-abducting-children-darfur-witnesses-say-2026-01-30/

https://www.reuters.com/world/africa/sudanese-paramilitary-force-abducting-children-darfur-witnesses-say-2026-01-30/

  1. Humanitäre Krise

Die UNICEF warnt vor beispiellosen Hunger unter Kindern. Eine UN-Ernährungsumfrage in Um Baru-Gebiet im sudanesischen Nord-Darfur zeigte, dass mehr als die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren akut mangelernährt ist – über 50 % der untersuchten Kinder hatten akute Mangelernährung, darunter etwa 18 % schwere akute Mangelernährung, die lebensbedrohlich ist, wenn sie nicht behandelt wird. Das liegt weit über den internationalen Schwellenwerten. Ohne sichere und ungehinderte Hilfe besteht für diese Kinder ein unmittelbares Todesrisiko.

https://human-wrongs-watch.net/2026/01/07/sudan-un-warns-of-unprecedented-child-hunger-in-darfur-as-fighting-fuels-refugee-exodus/

https://www.developmentaid.org/news-stream/post/204143/sudan-darfur-unicef-humanitarian-crisis-children-displacement-conflict-2026

https://www.ungeneva.org/en/news-media/news/2025/12/114439/sudan-un-warns-unprecedented-child-hunger-darfur-fighting-fuels

 

  1. Internationale Akteure

 

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) werden von Menschenrechtsorganisationen und investigativen Medien weiterhin beschuldigt, Waffenlieferungen an die sudanesischen Rapid Support Forces (RSF) zu ermöglichen. Untersuchungen von Amnesty International aus 2025 identifizierten bereits moderne chinesische Waffen im Einsatz der RSF, die zuvor an die VAE geliefert worden waren und mutmaßlich unter Umgehung des UN-Waffenembargos nach Sudan gelangten. Zudem deuten Flug- und Logistikdaten darauf hin, dass die VAE als zentraler Knotenpunkt für Waffen- und Materialtransfers fungierten, unter anderem über Nachbarländer wie Äthiopien und Tschad (unter anderen). Die VAE weisen die Vorwürfe zurück, gelten jedoch international als ein Akteur, der zur Militarisierung und Verlängerung des Sudan-Krieges beiträgt. Eine Klage des Sudan lehnte der IGH aus juristischen Gründen 2025 ab.

Pakistan soll zudem Lieferungen von Waffen, Dronen und Flugzeugen an die sudanesische Armee im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar planen.

 

https://blnews.net/2025/11/uae-launches-first-camp-in-ethiopias-benishangul-gumuz-region-the-undilo-district-nexus-sudan/

https://www.amnesty.org/en/latest/news/2025/05/sudan-advanced-chinese-weaponry-provided-by-uae-identified-in-breach-of-arms-embargo-new-investigation/

https://www.middleeasteye.net/news/uae-flights-linked-sudan-war-tracked-israel-ethiopia

https://thedefensepost.com/2026/01/12/sudan-pakistan-arms-sale/

https://www.thestar.com.my/aseanplus/aseanplus-news/2026/01/10/pakistan-nears-us15bil-deal-to-supply-weapons-jets-to-sudan-sources-say

https://www.middleeasteye.net/news/pakistans-arms-deals-position-it-squarely-within-growing-saudi-uae-rift

https://sudantribune.com/article/310223

https://www.middleeasteye.net/news/sudans-rsf-launches-offensive-blue-nile-state

https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/sudan-vereinigte-arabische-emirate-krieg-klage-igh-e015487/

https://www.jurist.org/news/2025/05/icj-dismisses-sudan-genocide-case-against-uae-over-civil-war-implication

  1. Zusammenfassung

 Der Artikel fasst die zentralen Ereignisse seit Ausbruch des Krieges im April 2023 bis zur Einnahme von El Fasher in Darfur durch die RSF übersichtlich zusammen. Darüber hinaus geht er auf die Folgen der Kürzungen von US-Hilfsgeldern ein und analysiert die Finanzierung des Konflikts.

Ein Artikel von Washintoninsitute argumentiert, dass der Sudan zwischen einem langwierigen Krieg und einem fragilen, aufgezwungenen Frieden feststeckt: Die Kämpfe zwischen der Armee (SAF) und der RSF werden wahrscheinlich auch 2026 weitergehen, die internationale Vermittlung ist schwach, und die realistischsten Ergebnisse sind ein langwieriger Stillstand oder eine De-facto-Teilung, nicht aber ein echter Übergang zu einer Zivilregierung.

https://www.thenation.com/article/world/sudan-genocide-usaid-united-nations/#google_vignette

https://www.washingtoninstitute.org/policy-analysis/sudan-stands-between-war-and-imposed-peace

SÜD-SUDAN

  1. Eskalation des Konflikts

Im Januar 2026 eskalierte der Konflikt im Südsudan, insbesondere in nördlichem Jonglei und Upper Nile, stark. Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und oppositionellen Kräften führten zu weiträumigen Vertreibungen und massiven Einschränkungen beim Zugang zu Nahrung und humanitärer Hilfe.

Die humanitäre Lage verschlechterte sich weiter: Zahlreiche Landkreise befinden sich bereits in IPC Phase 4 („Emergency“) – akute Ernährungsunsicherheit, und in mehreren Gebieten besteht ein hohes Risiko, dass sich Hungersnot‑ähnliche Zustände (IPC Phase 5) entwickeln, wenn der Konflikt anhält und Hilfslieferungen blockiert bleiben. Besonders betroffen sind Upper Nile und Jonglei. Zwischen Februar und Mai 2026 wird erwartet, dass sich die Zahl der betroffenen Landkreise mehr als verdoppelt.

Cholera breiten sich in Duk County in Jonglei aus. Überbelegung in Vertriebenenlagern und eingeschränkter Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen führen zu einer Zunahme von Cholera-Fällen.

Bis zum 3. Februar schätzte UNICEF, dass mindestens rund 280.000 Menschen aufgrund der erneuten Gewalt ihre Häuser verlassen mussten. Die anhaltenden Kämpfe und die Unterbrechung von Hilfsdiensten haben außerdem dazu geführt, dass geschätzt 450.000 Kinder in Jonglei allein akut von Mangelernährung bedroht sind.

Die Gewalt hat nicht nur zu massiver Vertreibung geführt, sondern auch humanitären Zugang und Versorgung unterbrochen, was die Lage für Zivilist*innen weiter verschärft. Die Rhetorik beider Seiten, die unter anderem Aufrufe zum Töten von Zivilist*innen beinhaltet, lässt darauf schließen, dass es nicht zu einer baldigen Einigung in dem Konflikt kommen wird und die Lage sich weiterhin verschärfen wird.

https://www.acaps.org/en/countries/south-sudan

https://reliefweb.int/report/south-sudan/south-sudan-key-message-update-additional-counties-likely-face-emergency-and-risk-famine-conflict-escalates-january-2026

https://apnews.com/article/south-sudan-fighting-jonglei-aid-agencies-access-174d9f4bb51b107f497891beb03fe98f

https://www.unicef.org/press-releases/lives-malnourished-children-risk-upsurge-violence-south-sudan

https://www.hrw.org/news/2026/01/27/risk-of-atrocities-looms-in-south-sudan-amidst-renewed-civil-war

https://www.bbc.com/news/articles/cj0nn0dvg6jo

https://reliefweb.int/report/south-sudan/south-sudan-un-commission-warns-incitement-and-command-failures-risk-mass-atrocities-ethnic-mobilisation-and-further-unravelling-peace-agreement

https://www.reuters.com/world/africa/un-chief-deeply-concerned-by-escalation-violence-south-sudan-spokesperson-says-2026-01-29/

https://www.unocha.org/news/todays-top-news-occupied-palestinian-territory-south-sudan-sudan-ukraine-0

  1. Internationale Reaktionen

Die UN-Kommission für Menschenrechte im Südsudan warnt vor akuter Gefahr von massiver Gewalt gegen Zivilist*innen in Jonglei State. Grund sind aufhetzende öffentliche Äußerungen von Militärführern und die Mobilisierung von Truppen, die in einem bereits politisch instabilen Umfeld erfolgen. Diese Situation erhöht das Risiko von Massakern, ethnischer Gewalt und weiteren Verstößen gegen das Friedensabkommen.

Die UN-Menschenrechtskommission im Südsudan betont die Verantwortung von Führungspersonen: Wer Gewalt anstiftet, befiehlt oder nicht verhindert, dass seine Truppen Verbrechen begehen, kann nach internationalem Straf- und Humanitären Recht zur Verantwortung gezogen werden. Besonders Präsident Salva Kiir als Oberbefehlshaber, der Verteidigungsminister und militärische Kommandeure müssen ethnische Mobilisierung, Aufstachelung und Gewaltaufrufe sofort unterbinden.

Die UN-Kommission warnt, dass ein Versagen der Führung, die Eskalation zu stoppen, zu weit verbreiteter ethnischer Gewalt führen könnte. Sie fordert sofortige Deeskalation, politische Rückkehr zum Friedensprozess und regionale sowie internationale Unterstützung, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern.

Der Afrikanische Friedens- und Sicherheitshof forderte Ende Januar einen sofortigen Waffenstillstand und eine Rückkehr zur Umsetzung des Friedensabkommens von 2018, da die Gewalt die Menschenrechte weiter bedroht.

UN-Generalsekretär António Guterres äußerte sich im Januar 2026 “tief besorgt” über die Gewalt-Eskalation und forderte den Schutz von Zivilisten und ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen.

 

https://reliefweb.int/report/south-sudan/south-sudan-un-commission-warns-incitement-and-command-failures-risk-mass-atrocities-ethnic-mobilisation-and-further-unravelling-peace-agreement

https://szn.ss/au-peace-council-calls-for-immediate-halt-to-south-sudan-hostilities/

https://www.reuters.com/world/africa/un-chief-deeply-concerned-by-escalation-violence-south-sudan-spokesperson-says-2026-01-29/

https://www.ungeneva.org/en/news-media/news/2026/01/115228/south-sudan-un-and-rights-experts-warn-against-risk-mass-violence

  1. Politische Blockade von Hilfeleistungen

 Im Januar und Anfang Februar 2026 musste MSF im Südsudan (vor allem im Bundesstaat Jonglei) große Teile seiner Arbeit einstellen, weil die Regierung den humanitären Zugang zu oppositionell kontrollierten Gebieten blockierte. Alle humanitären Flüge wurden ausgesetzt, wodurch Medikamente, Personal und medizinische Evakuierungen nicht mehr möglich waren; mindestens 23 kritisch kranke Patient*innen konnten nicht überwiesen werden und waren akut lebensbedroht. Aufgrund der Eskalation der Kämpfe und akuter Sicherheitsrisiken evakuierte MSF Personal aus Lankien und Akobo und reduzierte die Versorgung auf reine Notfallhilfe; in Pieri musste die Einrichtung Ende Januar ganz geräumt werden. MSF war dort teils der einzige Gesundheitsversorger für rund 400.000 Menschen, sodass die medizinische Versorgung faktisch zusammenbrach.

https://www.msf.org/south-sudan-government-blocks-opposition-held-areas-humanitarian-access

https://www.jurist.org/news/2026/02/south-sudan-continues-to-restrict-humanitarian-access-to-opposition-held-areas/#:~:text=Doctors%20without%20Borders%20(MSF)%20on,with%20chronic%20or%20critical%20conditions.

  1. Generelle Menschenrechtssituation

 Human Rights Watch berichtet über die Menschenrechtslage im Südsudan während des vergangenen Jahres, die sich aufgrund eskalierender politischer Gewalt, verstärkter Kämpfe zwischen Regierungstruppen, verbündeten Milizen und bewaffneten Oppositionsgruppen sowie weit verbreiteter Angriffe auf Zivilist*innen drastisch verschlechtert hat. Wahllose Luftangriffe, Repressionen durch den Nationalen Sicherheitsdienst und die gezielte Verfolgung von Oppositionellen haben die bürgerlichen und politischen Rechte weiter untergraben und das Friedensabkommen von 2018 zum Stillstand gebracht. Der Konflikt führte zu Massenvertreibungen, interkommunaler Gewalt und schwerwiegenden humanitären Notlagen, begleitet von weit verbreiteter Ernährungsunsicherheit, grassierender geschlechtsspezifischer Gewalt, schweren Verstößen gegen Kinderrechte und anhaltender Straflosigkeit für schwere Verbrechen.

https://www.hrw.org/world-report/2026/country-chapters/south-sudan

https://www.hrw.org/news/2026/02/04/horn/east-africa-war-crimes-election-repression

5.Freie Wahlen

 Es ist höchst wahrscheinlich, dass die Wahlen, die 2024 um 2 Jahre verschoben wurden, 2026 nicht stattfinden werden.

https://www.dw.com/en/at-the-brink-can-south-sudan-avert-another-civil-war/a-75769274

  1. Gewalt von Sicherheitskräften

Es wurden schwere Vorwürfe gegen Sicherheitskräfte laut, die unter dem Vorwand einer Anti-Gang-Operation in der Hauptstadt Juba eine willkürliche und brutale Kampagne gegen junge Männer, Frauen und Kinder durchführten. Menschenrechtsgruppen berichten über unangemessene Verhaftungen, Misshandlungen, sexuelle Gewalt und Zwangsrekrutierungen, was zusätzlich zur Instabilität beiträgt und auf ein tiefgreifendes Versagen bei der Wahrung von Rechtsstaatlichkeit und Schutz hinweist.

https://www.hrw.org/news/2026/01/07/south-sudan-abusive-anti-gang-crackdown