Newsletter Sudan/Südsudan Dezember 2025

SUDAN

  1. Kriegsverbrechen, Massentötungen & Gewalt an Zivilisten

Amnesty International hat im Dezember 2025 einen Bericht veröffentlicht, der den Angriff der paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) auf das Zamzam‑Flüchtlingslager in Nord‑Darfur dokumentiert. Zwischen dem 11. und 13. April setzten RSF‑Kämpfer explosive Waffen ein, eröffneten wahllos das Feuer und zerstörten Wohnhäuser, Schulen, Moscheen und Kliniken. Der Angriff führte dazu, dass rund 400.000 Menschen innerhalb von zwei Tagen aus dem Lager flohen. Amnesty‑Recherchen basieren auf 29 Augenzeugeninterviews sowie umfangreicher Bild‑ und Satellitendatenanalyse und dokumentieren unter anderem gezielte Tötungen von mindestens 47 Zivilpersonen. Der Bericht fordert unabhängige Ermittlungen zu möglichen Kriegsverbrechen.

Seitdem die RSF am 25.11.2025 Bara City in Nord Kordofan eingenommen hat, hat die UN mind. 269 Todesfälle von Zivilisten durch Luftangriffe, Artilleriebeschuss und Hinrichtungen dokumentiert. Desweiteren gibt es Berichte über u.a. Vergeltungsmorde, willkürliche Inhaftierungen, sexualisierte Gewalt und Zwanksrekrutierungen. Über 45.000 Menschen flohen bereits aus der Region vor der Gewalt.

Desweiteren berichten Medien über den Angriff auf eine Vorschule und anderen Einrichtungen durch die RSF in der Ortschaft Kalogi im Bundesstaat Süd-Kordofan. Nach Angaben eines örtlichen Beamten wurden mindestens 116 Menschen getötet, 63 Kinder waren unter den Opfern.

https://www.amnesty.org/en/documents/afr54/0509/2025/en/

https://sudan.un.org/en/306506-un-human-rights-chief-warns-against-atrocities-sudan%E2%80%99s-kordofan-region

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2025-12/sudan-massentoetungen-bara-rsf-miliz

https://www.reuters.com/world/africa/who-says-over-100-killed-attacks-sudan-kindergarten-hospital-2025-12-08/

https://apnews.com/article/rsf-war-sudan-military-kordofan-2eadba03defdffec9e6de6f39950fbf1

https://www.aljazeera.com/news/2025/12/5/rsf-kills-dozens-mostly-children-in-war-torn-sudans-kalogi-saf-sources

https://www.ungeneva.org/en/news-media/news/2025/12/113720/sudan-un-chief-condemns-deadly-strikes-childrens-nursery-hospital

https://www.amnesty.org/en/latest/news/2025/12/sudan-rapid-support-forces-ruthless-attack-on-zamzam-camp-should-be-investigated-for-war-crimes/

  1. Strafrechtliche Verantwortlichkeit & internationale Reaktionen

Der Internationale Strafgerichtshof (ICC) verurteilte den sudanesischen Janjaweed-Milizenführer Ali Muhammad Ali Abd al-Rahman (auch bekannt als Ali Kosheib)  zu 20 Jahren Haft wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Darfur-Konflikt (2003–2004). Dies ist die erste Verurteilung für die damalige Gewalt in Darfur.

Großbritannien verhängte Sanktionen (Vermögenssperren/Einreiseverbot) gegen vier Kommandeure der Rapid Support Forces (RSF) für ihre Rolle bei schweren Gräueltaten gegen Zivilisten.

https://www.hrw.org/news/2025/12/15/icc-sentences-former-sudanese-militia-leader-to-20-years

https://apnews.com/article/international-court-darfur-sentencing-abd-al-rahman-ab33a21572ac1a5c2d0ec4ee8547b57e

https://www.theguardian.com/world/2025/dec/12/uk-sanctions-four-rsf-commanders-heinous-violence-against-sudan-civilians

 

  1. Sexualisierte Gewalt & geschlechtsspezifische Verbrechen

 Ein Bericht des UN-Menschenrechtsbüros vom 18. Dezember beschreibt die weit verbreiteten Tötungen, Vergewaltigungen und andere Formen sexualisierter Gewalt, Folter und Entführungen, die während der dreitägigen Offensive der RSF auf das Lager der Binnenvertriebenen in Zamzam im April dieses Jahres begangen wurden. Mindestens 104 Überlebende, darunter 75 Frauen, 26 Mädchen und 3 Jungen, von denen die meisten der ethnischen Gruppe der Zaghawa angehören, waren sowohl während des Angriffs auf das Lager als auch entlang der Fluchtrouten grausamer sexualisierter Gewalt, einschließlich Vergewaltigung und Gruppenvergewaltigung, sowie sexueller Sklaverei ausgesetzt.

Am Internationalen Tag der Menschenrechte (10. Dezember) veröffentlichte das SIHA Network einen Bericht über die Gesamtlage der Gewalt gegen Frauen und Mädchen im Sudan von 2023–2025. Der Text betont, dass sexualisierte  Gewalt und andere Formen von geschlechtsspezifischer Gewalt (GBV) weiterhin systematische Bestandteile des Konflikts sind und die Rechte der Überlebenden international weitgehend ignoriert werden, trotz des offensichtlichen Ausmaßes der Missbrauchsfälle.

https://www.ohchr.org/en/press-releases/2025/12/sudan-un-report-details-horrific-patterns-violations-committed-during-rsf

https://sihanet.org/report-launch-more-than-numbers-report-on-the-state-of-violence-against-women-and-girls-in-sudan-2023-2025/

  1. Humanitäre Lage & Verletzung von Schutzrechten

 Ein aktueller Investigativ-Bericht von The New Humanitarian zeigt, wie Ägypten seine Maßnahmen zur Abschiebung sudanesischer Geflüchteter im Jahr 2025 deutlich ausgeweitet hat. Tausende Menschen, die vor dem Krieg in Sudan ins Nachbarland geflohen sind, werden zunehmend ohne angemessenen rechtlichen Schutz festgenommen und zurück an die sudanesische Grenze gebracht – oft tief im Landesinneren und nicht nur an Übergangsstellen.

Kritiker werfen der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR vor, zu wenig dagegen zu unternehmen, weil sie den Erhalt der politischen Beziehungen zu Ägypten über den Schutz der Geflüchteten stelle.

Die Interimstruppe der Vereinten Nationen für Abyei (UNISFA) kündigte am Donnerstag die Evakuierung ihrer Logistikbasis in Kadugli im sudanesischen Bundesstaat Südkordofan an, nachdem ein tödlicher Angriff auf ihr Personal verübt worden war.

Am 13. Dezember wurden bei einem Drohnenangriff der paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) auf das Hauptquartier der UN-Mission in Kadugli sechs Friedenssoldaten aus Bangladesch getötet und acht weitere verletzt.

https://www.thenewhumanitarian.org/investigations/2025/12/04/exclusive-egypt-ramps-sudan-refugee-deportations-unhcr

https://news.un.org/en/story/2025/12/1166631

https://reliefweb.int/report/sudan/unisfa-completes-evacuation-kadugli-logistics-base

SÜDSUDAN

  1. Bedrohung humanitärer Hilfe und Rechte von Geflüchteten

Die USA haben dem Südsudan am 11. Dezember 2025 offen gedroht, ihre Entwicklungshilfe zu kürzen, weil die Regierung laut Washington überhöhte Gebühren für humanitäre Lieferungen erhebt und Hilfs‑ sowie UN‑Friedensmissionen behindert. Die USA sehen darin eine Verletzung der internationalen Verpflichtungen Jubas und kündigten an, die Hilfsprogramme umfassend zu überprüfen – mit der Möglichkeit signifikanter Reduktionen, falls die Probleme nicht beendet werden. Südsudan ist stark von externer Hilfe abhängig, da mehr als 70 % der Bevölkerung auf humanitäre Unterstützung angewiesen sind.

https://apnews.com/article/south-sudan-us-aid-cuts-food-insecurity-2e0d4d794650cfcd80e9a38da918d215

https://www.reuters.com/world/africa/us-threatens-cuts-south-sudan-aid-over-humanitarian-fees-2025-12-11/

  1. Friedensprozess

 UN & Menschenrechtsgruppen warnten im November vor einem  Zusammenbruch des Friedensabkommens im Südsudan. Die Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition gingen im Dezember weiter.

Laut Radio Tamazuj wurden bei Luftangriffen der südsudanesischen Armee (SSPDF) auf einen Markt in Lankien, Nyirol County (Jonglei‑State) mindestens 11 Menschen getötet, weitere 5 werden noch vermisst; darunter sind auch zahlreiche Verletzte, die teils in einem MSF‑Krankenhaus behandelt werden. Betroffen war ein Zivilmarkt – kein militärisches Ziel. Augenzeugen berichteten von schwer verletzten Zivilist:innen und zerschmetterten Körpern. In der Region steigt die Zahl bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und Oppositionsgruppen (SPLA‑IO) rapide an, mit schweren Folgen für die Zivilbevölkerung.

In Südsudan spielen 21 von UN Women unterstützte Frauenmediatorinnen eine wichtige Rolle im Friedensprozess und tragen dazu bei, politische Spaltungen zu überbrücken. Durch Trainings, Mentoring und Vermittlung haben sie inklusive Dialoge zwischen politischen Parteien gefördert und damit die Umsetzung der Revitalized Agreement on the Resolution of the Conflict in South Sudan (Wiederbelebtes Abkommen zur Beilegung des Konflikts im Südsudan) vorangetrieben. Ihre Arbeit hat bereits zu mehreren inter‑parteilichen Gesprächen geführt und den Weg für einen hochrangigen politischen Dialog zwischen dem 15. und 19. Dezember 2025 geebnet.

https://www.middleeastmonitor.com/20251111-un-officials-warn-of-rising-violence-dangerous-drift-in-south-sudan/

https://www.radiotamazuj.org/en/news/article/lankien-airstrikes-death-toll-rises-to-11-five-missing

https://www.radiotamazuj.org/en/news/article/women-mediators-bridge-divides-lead-peace-efforts-in-south-sudan

  1. Humanitäre Krise und Geflüchtete

 Der anhaltende Klimawandel führt zu Überschwemmungen und Verlust von Lebensgrundlagen  – dies erschwert die ohnehin schon prekären Lebenssituationen von Südsudanes*innen.

Am 30.12.2025 blockierte ein US-Bundesrichter die geplante Beendigung des Temporary Protected Status für Südsudanes*innen. Dies geschah nach Klagen, die argumentierten, dass Rückkehr in ein Land mit andauernder Gewalt menschenrechtswidrig wäre. Der Fall wird aber weiterhin geprüft.

https://apnews.com/article/south-sudan-climate-change-nile-flooding-03ffb0839f8631267ef1a557a550bd7d

https://www.reuters.com/world/us-judge-halts-end-deportation-protections-south-sudanese-migrants-2025-12-30

apnews.com/article/south-sudan-immigrants-temporary-protected-status-trump-e94664d917f8d5c8c57e54070e2dce34