Sudan: Angriffe auf Camps für Binnenvertriebene zeigen, dass UN-Friedenstruppen in Darfur weiterhin gebraucht werden

Von Ahmed Elzobier, Amnesty International Researcher für Ostafrika

Der Teufelskreis der tödlichen Gewalt in Darfur ist noch nicht zu Ende. Er kehrte am 16. Januar 2021 mit den entsetzlichen Angriffen auf das Camp Krinding in El Geneina, der Hauptstadt des Bundesstaates West-Darfur, zurück, bei denen mehr als 160 Menschen – die meisten von ihnen ethnische Massalit – getötet wurden.

Der Angriff folgte auf die Tötung eines arabischen Mannes durch einen massalitischen Mann während eines Streits am 15. Januar. Die Stadt El-Geneina wurde Ende Dezember 2019 Zeuge eines ähnlichen Racheangriffs durch einige arabische Milizen. Der jüngste Angriff war eine schreckliche Erinnerung daran, dass Sicherheit in Darfur nach wie vor schwer fassbar ist und Straflosigkeit in der seit langem geplagten Region immer noch weit verbreitet ist.

Bei dem tödlichen Angriff auf die Krindig-Lager kamen mindestens 163 Menschen ums Leben, darunter drei Frauen und 12 Kinder. 217 Menschen wurden verletzt. Dr. Osman Hussein vom Ärztekomitee in West-Darfur bestätigte gegenüber Amnesty International, dass Schüsse in den Kopf, die Brust und andere Körperteile zu den Todesfällen und Verletzungen führten.

Der Angriff in Krindig ist nur Teil eines größeren Musters. Im vergangenen Jahr verzeichneten die Vereinten Nationen (UN) einen alarmierenden Anstieg der „interkommunalen Zusammenstöße“ in Darfur, mit 28 Vorfällen zwischen Juli und Dezember 2020, ein Anstieg von 87 Prozent im Vergleich zu 2019. Das im Oktober 2020 in Juba, Südsudan, unterzeichnete Friedensabkommen hat den Schutz der Zivilbevölkerung nicht verbessert, und einige Gemeinschaften in Darfur bezweifeln, dass es die Menschenrechtsverletzungen jemals eindämmen wird.

Das Versagen der sudanesischen Regierung beim Schutz der Zivilbevölkerung sowie die Schwäche oder in einigen Fällen das Fehlen von Rechtsmechanismen und der verfrühte Rückzug der Hybrid-Operation der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union in Darfur (UNAMID) haben einige Kämpfer von Stammesmilizen in Darfur zu entsetzlichen Gewalttaten ermutigt.

Dennoch stellt der Angriff auf die Lager am 16. Januar nach Aussagen vieler von Amnesty International befragter Augenzeugen eine besorgniserregende Eskalation der Gewalt dar. Die sudanesischen Behörden müssen diesen Vorfall sowie den Vorfall vom Dezember 2019 umgehend untersuchen und sicherstellen, dass die Täter in einem fairen Verfahren vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Details der Angriffe sind entsetzlich. Die arabischen Stammesmilizen plünderten und verbrannten viele Häuser und Geschäfte in den Krinding-Lagern und den umliegenden Gebieten. Laut einer Erklärung des Gouverneurs von West-Darfur gegenüber Sudan Television am 17. Januar wurde fast ein Drittel der Lager in Schutt und Asche gelegt. Nach dem letzten Flash-Update des Büros der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) vom 14. Februar wurden 180.000 Menschen in El Geneina und den umliegenden Dörfern nach dem Krindig-Angriff vertrieben.

Die Darfur Bar Association berichtete, dass die Gewalt durch eine Straftat ausgelöst wurde: Ein Massalit-Stammesangehöriger erstach ein Mitglied eines „arabischen Stammes“ in der Nähe der Krinding-Lager. Obwohl der mutmaßliche Mörder verhaftet wurde, suchten Verwandte des Opfers Rache und griffen die IDP-Lager an.

Nach den Angriffen verkündete der Gouverneur des Bundesstaates West-Darfur eine Ausgangssperre und autorisierte die Sicherheitskräfte der Regierung, zum Schutz von Menschen und Eigentum auch tödliche Gewalt anzuwenden. In der Woche nach den Gewalttaten schickte die Regierung in Khartum mehr Sicherheitskräfte nach West-Darfur. Auch die Generalstaatsanwaltschaft in Khartum entsandte eine Delegation nach El Geneina, um den Vorfall zu untersuchen.

Nach Angaben von neun Augenzeugen und Überlebenden der Angriffe, die von Amnesty International befragt wurden und von denen einige verletzt wurden, setzten die Angreifer ihre Häuser in Brand. Einige haben ihre Familienangehörigen verloren.

Adam (nicht sein richtiger Name), ein 65-jähriger Bewohner des Lagers, berichtete Amnesty International, dass die Angreifer ihn schlugen, bis sie seine linke Hand brachen. Danach setzten sie sein Haus in Brand. Er fügte hinzu: „Einige der Angreifer trugen Uniformen der Rapid Support Forces (RSF), andere trugen Uniformen der tschadischen Armee, und einige trugen Zivilkleidung. Sie waren auf Motorrädern, RSF-Pickups, Pferden und Kamelen unterwegs.“

Eine andere Bewohnerin des Lagers Krinding, die 36-jährige Fatima (ebenfalls nicht ihr richtiger Name), sagte: „Ich war in meinem Haus in [dem] IDP-Lager Krinding. Wir wurden am Morgen überrascht, als wir von bewaffneten Milizen angegriffen wurden. Sie brannten den Bursa-Markt nieder. Wir rannten aus dem Lager. Während wir rannten, schoss die Miliz auf einige Menschen und tötete sie. Ich habe vier Mitglieder meiner Familie während des Angriffs verloren… einige der Angreifer trugen Uniformen der RSF, andere zivile Kleidung.“

Unterdessen erklärte das Higher Coordination Committee of Rural Nomads mit Sitz in Khartum auf einer Pressekonferenz am 18. Januar, Abusim Hammad, ein arabischer Mann, sei am 16. Januar in El Geneina erstochen worden. Sie behaupteten, dass die Polizei am selben Tag auf seine Verwandten im Leichenschauhaus geschossen und eine Person getötet habe. Auch im Haus von Abusim und auf dem Friedhof wurde auf sie geschossen.

Wie bereits im erwartet, hat der verfrühte Abzug von UNAMID ein Sicherheitsvakuum in Darfur geschaffen und Zivilisten der Gewalt ausgesetzt. Die tödliche Gewalt am 16. Januar ist eine weitere beunruhigende Erinnerung an die Fragilität der Situation und das systemische Versagen der sudanesischen Sicherheitskräfte, Zivilisten zu schützen.

Der UN-Sicherheitsrat muss die Sicherheitslage in Darfur neu bewerten und die neue „United Nations Integrated Transition Assistance Mission in Sudan“ (UNITAMS) mit dem Mandat und den Ressourcen ausstatten, die Zivilisten in der Region zu schützen, bis die sudanesische Militär- und Zivilführung zeigt, dass sie willens und in der Lage ist, sie zu schützen. Außerdem muss die sudanesische Regierung das Römische Statut ratifizieren und alle Verdächtigen von Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord, die seit 2003 in Darfur begangen wurden, an den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) ausliefern.

Hier geht es zum Original-Statement: Sudan: Horrific attacks on displacement camps show UN peacekeepers still needed in Darfur | Amnesty International