Sudan: Welle der Gewalt durch Sicherheitskräfte

In der Hauptstadt Khartum sind Dutzende getötete Menschen aus dem Nil geborgen worden. Dies berichten sudanesische Oppositionelle. Vorausgegangen war die Niederschlagung der aktuellen Proteste durch die Sicherheitskräfte und eine Welle gewalttätiger Übergriffe der „Rapid Support Forces“ (RSF), einer Sondereinheit des Militärs mit engen Verbindungen zur früheren sudanesischen Regierung. Netsanet Belay, Afrikadirektor von Amnesty International, erklärte dazu:

„In dieser Woche hätte das Leben in Khartum zum Ende des Ramadan beim ersten Zuckerfest nach 30 Jahren Terrorherrschaft unter Omar al-Baschir von Feierlichkeiten geprägt sollen sein. Stattdessen ziehen Sicherheitskräfte durch die Straßen, verletzen und töten Menschen und verwandeln die Feiertage in eine Zeit der Angst, des Schocks und der Trauer.

Ärztinnen und Ärzte in Khartum berichten, dass seit dem 3. Juni bereits 100 Menschen getötet wurden. An diesem Tag ging ein großes Aufgebot an Sicherheitskräften, darunter auch Angehörige der militärischen Sondereinheit RSF, gegen Protestveranstaltungen vor und eröffnete das Feuer gegen unbewaffnete Demonstrierende. Die RSF gelangte bereits durch das Töten, Vergewaltigen und Foltern von Tausenden von Menschen in Darfur zu trauriger Berühmtheit. Mit dem mörderischen Vorgehen der Sondereinheit in Khartum steigt die Zahl der Todesopfer nun auch in der Hauptstadt sprunghaft an. Die Berichte darüber, dass Getötete in den Fluss geworfen wurden, zeigt, was für eine Art von Sicherheitskräften die RSF ist.

Die jüngste Geschichte des Sudan ist von Straflosigkeit bei Kriegsverbrechen und anderen schweren Menschenrechtsverletzungen geprägt. Wir fordern den Friedens- und Sicherheitsrat der Afrikanischen Union und den UN-Sicherheitsrat mit Nachdruck auf, der Straflosigkeit ein Ende zu setzen und umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um die Verantwortlichen für diese Gewalt zur Rechenschaft zu ziehen.“

Hintergrund

Die RSF wurde 2013 unter der Führung des sudanesischen Geheimdienstes (NISS) ins Leben gerufen. Amnesty International und viele weitere Menschenrechtsorganisationen haben in der Vergangenheit schwere Verbrechen der RSF dokumentiert, so zum Beispiel bei Einsätzen zur Aufstandsbekämpfung in der Region Darfur.


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