März 2026
Äthiopien: Gewalt gegen Mädchen und Frauen in Oromia muss geahndet werden – Pressemitteilung
Warnung: Der angehängte Bericht enthält Beschreibungen von sexualisierter Gewalt und Folter.
Den Bericht „No one came to my rescue“ findet ihr hier.
BERLIN, 05.03.2026 – Angehörige der Oromo-Befreiungsarmee (OLA) verüben im bewaffneten Konflikt in der äthiopischen Region Oromia sexualisierte Gewalt an Frauen und Mädchen. Ein neuer Bericht von Amnesty International dokumentiert Vergewaltigungen, Gruppenvergewaltigungen, sexualisierte Versklavung, außergerichtliche Tötungen und die Zerstörung von Zivileigentum, die mutmaßlich Kriegsverbrechen darstellen.
Der Bericht “No one came to my rescue“: Gang rape, sexual slavery and mass displacement of women in Oromia, Ethiopia („Niemand kam zu meiner Rettung“: Gruppenvergewaltigungen, sexualisierte Versklavung und Massenvertreibungen von Frauen in Oromia, Äthiopien) dokumentiert die Gräueltaten an der Zivilbevölkerung, insbesondere an Frauen und Mädchen, die von der bewaffneten Gruppe OLA zwischen 2020 und 2024 in den Woredas (Bezirken) Sayo und Anfillo der Zone Kellem Wallaga begangen wurden.
Franziska Ulm-Düsterhöft, Afrika-Expertin bei Amnesty International in Deutschland, sagt: „Mädchen und Frauen werden Opfer von sexualisierter Gewalt wie (Gruppen-)Vergewaltigungen, sexualisierter Versklavung, außergerichtlichen Tötungen und Plünderungen. Seit sieben Jahren bringen Kämpfer in der Region Oromia unermessliches Leid über die Zivilbevölkerung. Diese Übergriffe sind entsetzlich und kommen möglicherweise Kriegsverbrechen gleich. Die äthiopischen Behörden müssen alle Täter zur Rechenschaft ziehen und den Betroffenen und Überlebenden Zugang zur Justiz gewähren.”
Forderungen von Amnesty
- Deutsche Bundesregierung muss Druck machen: Die Bundesregierung ist die größte Geberin Äthiopiens und einer der wichtigsten Partner des Landes. Erst im November fanden bilaterale Regierungskonsultationen statt. Deutschland muss sich für eine Aufklärung und Ahndung von Menschenrechtsverletzungen stark machen.
- Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen: Amnesty fordert, dass die äthiopische Regierung die Menschenrechtsverletzungen durch die OLA untersucht und Verantwortliche zur Rechenschaft zieht. Die Mädchen und Frauen müssen außerdem Zugang zu medizinischer und psychologischer Hilfe bekommen.
Menschenrechtssituation in Äthiopien
Seit Ausbruch des Tigray-Konfliktes (2020) hat sich die Menschenrechtssituation in Äthiopien dramatisch verschlechtert. Die Regierung unter Abiy Ahmed hat sämtliche freien Medien geschlossen und Medienschaffende verhaftet oder des Landes verwiesen. Zivilgesellschaftliche Organisationen stehen unter massivem Druck. „Es gibt keine Möglichkeiten der unabhängigen Dokumentation und Aufklärung von Menschenrechtsverstößen im Land mehr. Mit Blick auf die kommenden Wahlen im Juni ist es daher umso wichtiger, dass die internationale Gemeinschaft endlich wieder einen unabhängigen Berichtsmechanismus etabliert, um Gerechtigkeit zu ermöglichen“, kommentiert Franziska Ulm-Düsterhöft, Afrika-Expertin bei Amnesty International in Deutschland.
Zum Konflikt in der Region Oromia
Die Kämpfe zwischen dem ehemaligen militärischen Flügel der Oromo-Befreiungsfront (OLF), der Oromo-Befreiungsarmee (OLA), und der äthiopischen Armee (ENDF) sowie verbündeten Sicherheitskräften der Region Oromia brachen 2019 aus. Obwohl der Konflikt von der Zivilbevölkerung einen enorm hohen Tribut fordert, findet er international keine Beachtung.
Überlebende aus Oromia berichten
Amnesty International befragte für den Bericht zehn Überlebende von Gruppenvergewaltigungen, darunter sieben Mädchen, die zum Zeitpunkt der Übergriffe unter 18 Jahre alt waren. Fünf der Betroffenen wurden zusätzlich Opfer sexualisierter Versklavung. Neun von ihnen waren von OLA-Kämpfern angegriffen worden. Außerdem wertete die Organisation Zeugenaussagen von Gesundheitspersonal und Krankenakten von Überlebenden aus.
Alle zehn Überlebenden kämpfen bis heute mit schweren körperlichen und psychischen Folgen infolge der ihnen zugefügten Gewalt.
Die Überlebenden fordern ein Ende der Menschenrechtsverletzungen sowie Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht. Eine Überlebende sagt: „Wenn es möglich ist, die Täter zu finden, hoffe ich auf Gerechtigkeit, damit das, was mir und anderen widerfahren ist, ein Ende hat.“
Für Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle.
Juli 2023
März 2022
Auch hier der Artikel zum aktuellen Menschenrechtspreis:
Deutschland: Amnesty-Menschenrechtspreis 2022 geht an Äthiopischen Menschenrechtsrat EHRCO
Der Äthiopische Menschenrechtsrat (Ethiopian Human Rights Council, EHRCO) bekommt den Menschenrechtspreis 2022 der deutschen Sektion von Amnesty International. Die Auszeichnung wird für den selbstlosen und mit persönlichen Gefahren verbundenen Einsatz für die Menschenrechte in Äthiopien verliehen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.
Mai 2021
Äthiopien verschiebt Parlamentswahl erneut
Das äthiopische Parlament sollte am 5. Juni neu gewählt werden, nun wurden die Wahlen aus organisatorischen Gründen, so die nationale Wahlkommission der Hauptstadt Addis Abeba, erneut verschoben. Die Wahlen wurden zuvor bereits von August 2020 aufgrund der Corona-Pandemie vertagt.
Eine Pressemitteilung der Deutschen Welle, veröffentlicht am 15.05.2021.
Äthiopien: Wahlen, keine Wunder
Die Deutsche Welle bietet einen Überblick über die Wahlen, die Oppositionsparteien sowei Einblicke in die angespannte Lage in Äthiopien. Auch die Absage der geplanten Wahlbeobachtungsmission der Europäischen Union aufgrund von unzureichender Pressefreiheit wird thematisiert: „Zu den Standardanforderungen für die Entsendung einer Mission gehört es, ihre Unabhängigkeit zu gewährleisten, also die Ergebnisse der Mission öffentlich und frei zu kommunizieren.“ Das habe die Regierung abgelehnt, sagte Nabila Massrali, Sprecherin der EU-Kommission, der DW.“
Eine Pressemitteilung der Deutschen Welle, veröffentlicht am 11.05.2021.
Oktober 2020
Äthiopen: Behörden verbieten friedliche Proteste und denunzieren diese als „illegal und unnötig“
Die äthiopischen Behörden haben friedliche Proteste gegen ethnisch motivierte Morde verboten, die am 28. Oktober stattfinden sollten. Dies geschah in direkter Verletzung des Rechte auf Meinungsfreiheit und friedlicher Versammlung. (Verfasst auf Englisch).
Eine Pressemitteilung von Amnesty International, veröffentlicht am 27.10.2020.
August 2020
Ethiopia Insight veröffentlichte einen detaillierten Artikel über den Hintergrund der möglichen Separationsbewegung die in Tigris bevorsteht, einer der Regionen im Norden Äthiopiens. (Verfasst auf Englisch)
Äthiopen: Stoppt die Anwendung von tödlicher Gewalt gegen Demonstanten
16 Menschen wurden durch äthiopische Sicherheitsbeamte In der Wolaita-Zone der Südlichen Nationen, Nationalitäten und des regionalen Volksstaates (SNNPR) getötet. Dies geschah im Anschluss an Proteste gegen die Verhaftung von Beamten und Aktivisten, die angeblich ein Treffen gegen COVID-19-Maßnahmen abgehalten hatten. Unter den Getöteten befanden sich sogar Zuschauer der Demonstration. (Verfasst auf Englisch)
Juli 2020
Eritrea: 45 Christen in Eritreas Hauptstadt verhaftet
Die britischen NGOs „Christian Solidarity Worldwide“ und „Release Eritrea“ melden Verhaftungen von christlicher Germeinschaften in Asmara, Hauptstadt Eritreas. Die Festnahmen wurden direkt aus religiösen Veranstaltungen heraus und mit dem Argument COVID-19 – Vorschriften wären verletzt worden, durchgeführt.
Januar 2020
Über ihren Nothilfefonds für Afrika unterstützt die Europäische Union weiterhin Stabilität, Schaffung von Arbeitsplätzen und Bewältigung von Migrationsproblemen am Horn von Afrika, indem sie am 12. Dezember 2019 beschließt, 14 Programme mit 204,9 Mio. EUR aus EU-Mitteln zu finanzieren.
Eritrea: eine Herkunft, zwei Sichtweisen
Exileritreer sehen die Lage in Ihrer alten Heimat sehr unterschiedlich. Die einen glauben an einen politischen Wandel, die anderen stellen fest: „Ein Leben ist nichts wert in Eritrea“. Auch der Friedensschluss mit Äthiopien habe keine wirkliche Veränderung der Lage der Bevölkerung nach sich gezogen.
Eritrea: Wahlen? Vielleicht in 30 Jahren. Viele junge Leute verlassen ihren Staat
Die Hauptstadt Asmara gilt zwar als eine der schönsten Städte Afrikas – aber nur, weil sie „wie in einer Zeitkapsel konserviert“ sei: Keine Veränderungen in den letzten Jahrzehnten, seit Isayas Afewerki Präsident ist. Rund ein Fünftel der eritreischen Bevölkerung lebt im Ausland – weshalb man auch dort leichter an Informationen kommt, als im Land selbst.
April 2019
Ende des äthiopisch-eritreischen Frühlings
Im Juli 2018 schlossen Äthiopien und Eritrea einen Friedensvertrag und öffneten ihre Grenzen. Doch bereits seit Dezember gibt es Bestrebungen von Seiten Eritreas, die Grenzöffnung rückgängig zu machen. Nun wurde im März und April dieses Jahres die Grenze zwischen beiden Ländern immer weiter abgeriegelt. (DW – 30.04.2019)
Äthiopiens Premier Abiy Ahmed: Er herzt, er umarmt – und er führt Krieg
Abyi Ahmeds auf Versöhnung zielender Regierungsstil begeistert zwar seit einam Jahr große Teile der Bevölkerung – doch gibt es Gruppen, die die Situation ausnutzen und sich zum Kampf rüsten, um ihre Interessen durchzusetzen. Beobachter fürchten sogar einen Bürgerkrieg. (SPIEGEL ONLINE – 27.04.2019)