Äthiopien: Aktuelles

Mai 2022

‘We Will Erase You From This Land’: Crimes Against Humanity and Ethnic Cleansing in Ethiopia’s Western Tigray Zone” – ein gemeinsamer Bericht von Amnesty International und Human Rights Watch

Amnesty International und Human Rights Watch haben einen gemeinsamen Bericht veröffentlicht “‘We Will Erase You From This Land’: Crimes Against Humanity and Ethnic Cleansing in Ethiopia’s Western Tigray Zone”. Der Bericht stellt dar, wie Sicherheitskräfte und Behördenvertreter_innen der äthiopischen Region Amhara im Westen der angrenzenden Region Tigray seit November 2020 umfassende Menschenrechtsverletzungen an der tigrayischen Bevölkerung begangen haben, die Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleichkommen.

Zusammenfassung des Berichts: Die Recherchen belegen, dass Behördenvertreter_innen in West-Tigray sowie Sicherheitskräfte aus der benachbarten Region Amhara mehrere hunderttausend tigrayische Zivilpersonen systematisch vertrieben haben – unter Einsatz von Drohungen, außergerichtlichen Tötungen, sexualisierter Gewalt, willkürlichen Massenfestnahmen, Plünderungen, Zwangsumsiedlungen und der Verweigerung humanitärer Hilfe. All dies geschah mit Billigung und unter möglicher Beteiligung der nationalen äthiopischen Streitkräfte. Diese umfassenden und systematischen Angriffe gegen die tigrayische Zivilbevölkerung stellen Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Kriegsverbrechen dar.

Sicherheitskräfte trieben tausende Tigrayer_innen zusammen, um sie unter unwürdigen Bedingungen einzusperren und zu misshandeln. Tausende Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt und dabei rassistisch beleidigt. Behördenvertreter_innen stellten Schilder auf, die Tigrayer_innen aufforderten, die Region zu verlassen. Der Zugang zur Region wurde massiv eingeschränkt, sodass kaum humanitäre Hilfe zu den Menschen gelangt und Hunderttausende von einer Hungersnot bedroht sind.

Der Bericht geht zum Beispiel auf einen tigrayischen Riksha-Fahrer ein, der den Tod seines 11-jährigen Sohnes beschreibt: „Sie schlugen meinen Sohn am Knöchel. … Ich bat die Soldaten um medizinische Unterstützung, ob sie jemanden zur Hilfe rufen könnten. Ein Soldat ging, um Hilfe zu holen. Aber ein anderer sagte „Bringt ihn um.“ Er sagte, dass mein Sohn „ein TPLF-Welpe sei und wenn er größer werde, er mit der TPLF gegen uns kämpfen wird“ … Mein Sohn hat so viel Blut verloren, dass er starb.“

Hier könnt Ihr den englischsprachigen Bericht in voller Länge herunterladen und hier geht es zur deutschsprachigen Pressemitteilung.

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Menschenrechtspreis 2022 – Seid bei der Menschenrechtspreisverleihung virtuell dabei:

Am 30.05.2022, Beginn 20:00 Uhr
Ausklang ab 21:30 Uhr

Link zum Livestream: http://amsty.de/95bsk

März 2022

Der Menschenrechtspreis 2022 geht an den Äthiopischen Menschenrechtsrat !

Sie sind die Stimme der Menschenrechte in Äthiopien: Die Mitarbeitenden des Äthiopischen Menschenrechtsrats (Ethiopian Human Rights Council, EHRCO) kämpfen tagtäglich für die Menschenrechte in ihrem Land. Sie untersuchen Menschenrechtsverletzungen, ermöglichen Rechtsberatung für Betroffene von Menschenrechtsverletzungen und engagieren sich in der Menschenrechtsbildung. Ihre unabhängige Arbeit gerät dabei seit der Gründung vor mehr als 30 Jahren immer wieder unter Druck. Doch selbst willkürliche Inhaftierungen, körperliche Gewalt oder das Einfrieren ihrer Bankkonten halten die Menschenrechtsaktivist_innen nicht von ihrem Einsatz ab.

Mit dem Menschenrechtspreis 2022 wird die selbstlose und oftmals mit persönlichen Gefahren verbundene Arbeit des EHRCO und seiner Mitarbeiter_innen gewürdigt.

Hier findet ihr die Presseerklärung zur heutigen offiziellen Bekanntgabe des Preisträgers mit weiteren Informationen.

Februar 2021

3-Monate Konflikt in Tigray: E-Mail und Social-Media-Aktion an Abiy Ahmed

Am 4. Februar dauert der bewaffnete Konflikt in Tigray im Norden von Äthiopien zwischen der föderalen Regierung und der regionalen Regierung bereits drei Monate an.

Amnesty International ruft in diesem Zusammenhang zu einer Social-Media-Kampagne auf: Der Premierminister Abiy Ahmed wird aufgefordert, vollen Zugang für humanitäre Organisationen in Tigray zu ermöglichen. 2.3 Millionen Menschen benötigen dringend lebensrettende Unterstützung in Tigray.

Ihr könnt euch durch eine E-Mail an Abiy Ahmed und durch Teilnahme am Social-Media-Storm beteiligen:

E-Mail an Abiy Ahmed: Unter diesem Link findet Ihr ein Online-Formular, mit dem Ihr direkt eine E-Mail an Abiy senden könnt. Sie enthält die Forderung, humanitären Organisationen Zugang zu Tigray zu ermöglichen.

Social-Media-Kampagne: Am 4. Februar um 13.00 – genau 3 Monate seit Beginn des Konflikts – laden wir zu einem Social-Media-Storm unter dem Hashstag #AllowAccesstoTigray ein. Ihr könnt die Grafiken im Anhang und die Beispiel-Posts dafür nutzen und über eure Social-Media-Kanäle teilen (idealerweise über Twitter)

Hier sind einige Beispiel-Posts/Tweets:

Post 1: There is a deep humanitarian crisis in Tigray with 2.3 million people lacking food, water and shelter. Help is available, but humanitarian access has been extremely limited. @AbiyAhmedAli #AllowAccessToTigray https://www.amnesty.org/en/get-involved/take-action/demand-full-humanitarian-access-into-tigray/

Post 2: Take action below and put pressure on @AbiyAhmedAli to immediately #AllowAccessToTigray. https://www.amnesty.org/en/get-involved/take-action/demand-full-humanitarian-access-into-tigray/

19. November 2020

Finding Sally – Online Screening mit folgender Podiumsdiskussion

Ein Dokumentarfilm erzählt die Geschichte einer 23-jährigen Frau aus einer Familie der Oberschicht, die mit dem Eintritt in die Äthiopische Revolutionäre Volkspartei zu einer kommunistischen Rebellin wurde.

Eine Kooperation der Heinrich-Böll-Stiftung mit toucouleur e.V.

Datum, Uhrzeit der Onlineveranstaltung:

Do., 19. Nov. 2020,
19.00 – 21.15 Uhr

Die Teilnahme ist kostenlos. Hier geht es zur Registrierung.

 

12. November 2020

Der Konflikt in der Tigray Region spitzt sich weiterhin zu – Untersuchungen haben ergeben, dass zahlreiche Civilisten in Massakern in Tigray ums Leben gekommen sind.

Amnesty kann anhand von Satellitenbildern bestätigen, dass am 9. November vermutlich hunderte Zivilisten in der Stadt Mai-Kadra erstochen und teilweise zu Tode gehackt wurden.

Ein detailierter Bericht kann hier gelesen werden. Verfasst auf Englisch.

 

01. Juni 2020

Im aktuellen Bericht zu Äthiopien: „Jenseits der Strafverfolgung: Menschenrechtsverletzungen durch äthiopische Sicherheitskräfte in Amhara und Oromia“ dokumentiert Amnesty International, wie Sicherheitskräfte zwischen Dezember 2018 und Dezember 2019 schwere Verstöße begangen haben. Dies geschah trotz der Reformen, die zur Freilassung von Tausenden von Gefangenen führten, zur Ausweitung des zivilen und politischen Raums und zur Aufhebung drakonischer Gesetze wie der Antiterrorismus-Proklamation, die zuvor zur Unterdrückung der Menschenrechte eingesetzt wurden: Die Gesetze sind reformiert, aber Menschenrechtsverletzungen dauern an.

Beyond Law Enforcement_Amnesty International Ethiopia 2020_English

Jenseits der Strafverfolgung_Amnesty Aethiopien Bericht 2020_Deutsche Zusammenfassung

 

27. April 2020

Die Zeitschrift der Bundeszentrale für Politische Bildung veröffentlicht zahlreiche Artikel über Politik und Zeitgeschichte Äthiopiens

 

1. Mai 2022