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DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO


Kobalt ist aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Täglich benutzen wir Handys, Laptops, Tablets, Elektroautos und andere technische Geräte, die mit Lithium-Ionen-Akkus betrieben werden. Kobalt ist ein Kernbestandteil dieser Akkus.

Mindestens die Hälfte des weltweit gehandelten Kobalts stammt aus der Demokratischen Republik Kongo, in der Kobalt nicht nur im industriellen Maßstab gefördert wird, sondern oft auch im artisanalen Kleinbergbau gewonnen wird. Unter prekären Bedingungen wird dort Kobalt ohne Schutzbekleidung und Sicherheitskontrollen mit einfachen Werkzeugen abgebaut. Viele Minenarbeiter begeben sich bei ihrer Arbeit in ihren selbstgebauten Tunneln täglich in Lebensgefahr und setzen sich gesundheitsschädlichem Kobaltstaub aus. Oft arbeiten auch Kinder und Jugendliche unter schwersten Bedingungen im Kleinbergbau.

UNTERNEHMen müssen verantwortung für ihre lieferketten übernehmen.

Im 2016 erschienen Bericht [1] von Amnesty International wurden zahlreiche multinationale Konzerne - unter ihnen Apple, Samsung und Microsoft - zur Ausübung ihrer Sorgfaltspflicht befragt. Trotz einer internationalen OECD-Leitlinie [2] zur Rückverfolgung der Lieferkette von Konfliktmineralien konnte kein einziges dieser Unternehmen Amnesty International ausreichende Informationen zum Nachweis ihrer Kobaltlieferkette und zur Umsetzung der OECD-Leitlinie erbringen.

Ebenfalls hat nach internationalen Menschenrechtsnormen jeder Staat die Pflicht, Menschenrechtsverletzungen durch alle Akteure - hierzu zählen auch jegliche internationale Handelsbeziehungen - zu verhindern. Dennoch gibt es weltweit keinen einzigen Staat, der von Unternehmen verlangt, ihre Kobaltlieferkette öffentlich darzulegen.

[1] "This is what we die for - human rights abuses in the Democratic Republic of the Congo power the global trade in cobalt"
[2] Leitlinie der "Organisation for Economic Co-operation and Development"

(letzte Aktualisierung: 06.06.2017)


Kinderarbeiter dürfen nicht den Preis für Großbritanniens Wechsel zum Elektroauto zahlen müssen

Zum Pressebericht vom 26. Juli 2017

Über das neuen UK Übereinkommen, bis 2040 auf alle neuen Diesel und Benzinautos zu verzichten, sagte Mark Dummett, Amnesty International Wirtschaft und Menschenrechte Researcher:

„Das ist eine gute Nachricht für die Umwelt und die Luftqualität, aber Autofahrer sollten sich bewusst sein, dass Elektroautos zwar grün seinen, aber nicht immer sauber.
Unsere Nachforschungen zeigen, dass Kobalt, das durch Kinder und Erwachsene in der Demokratischen Republik unter erschreckenden Bedingungen abgebaut wird, mit einem signifikanten Risiko in den Batterien eines Elektroautos landet.
Autofahrer werden sich vergewissern wollen, dass ihre neuen Autos nicht mit dem Leiden von Kinderarbeitern in der DRK verbunden sind. Jedoch besteht ein besorgniserregender Mangel an Transparenz in der gesamten Automobilindustrie, mit vielen namhaften Marken, die bei der Informationsbereitstellung zu ihren Kobaltquellen versagen.
Wir fordern die Automobilhersteller auf, ihre Schritte öffentlich zu machen und sicherzustellen, dass ihre Zulieferketten nicht mit Menschenrechtsverletzungen befleckt sind und somit dem Konsumenten die Möglichkeit geben, Elektroautos mit einem beruhigten Gewissen zu kaufen."

Die aktuelle Stellungnahme (englisch) vom 26. Juli 2017 finden Sie hier.
Weitere Informationen (englisch) zum Thema Kinderarbeit in Elektroautos finden sie hier.

(letzte Aktualisierung: 29.09.2017)


Die dunkle Seite elektrischer Autos: Ausbeutende Arbeitsbedingungen

Zum Artikel “The Dark Side of Electric Cars: Exploitative Labor Practices” von Mark Dummett Veröffentlicht auf time.com am 28. September 2017.

Mark Dummett ist Researcher von Amnesty International zum Thema Wirtschaft und Menschenrechte.

Der Artikel greift die jüngsten Entwicklungen in Großbritannien und den USA auf. Großbritannien plant bis 2040 Diesel- und Benzinfahrzeuge von den Straßen zu verbannen und Tankstellen durch Ladestationen für Elektroautos zu ersetzen. In den Vereinigten Staaten kündigte Elon Musk kürzlich die Markteinführung des Teslas 3 an, von dem er hofft, dass es das erste massentaugliche Elektroauto sein wird.

Mark Dummett beschreibt diesen Wechsel zu grüner Technologie als sehr begrüßenswert. Der Klimawandel ist eine der größten menschenrechtlichen Herausforderungen. Elektroautos können die Luftqualität in Großstädten deutlich verbessern und den CO2-Ausstoß verringern, der unseren Planeten bereits heute an seine Grenzen treibt.

Doch manch ein Elektroauto ist, zumindest derzeit, ethisch nicht so „sauber“ wie viele Hersteller uns glauben lassen wollen. Die Nachforschungen von Amnesty International haben ergeben, dass Kobalt, welches von Kindern und Erwachsenen unter erschütternden Bedingungen abgebaut wird, auch in die Zulieferketten der weltweit größten Elektroautohersteller gelangen kann.

Kobalt ist einer der wichtigsten Bestandteile der wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Akkus, die in Elektroautos genutzt werden. Mehr als die Hälfte des weltweiten Kobalts stammt aus der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo). Trotz ihres Rohstoffreichtums ist die DR Kongo eines der ärmsten Länder der Welt, das unter Jahrzehnten geprägt von Krieg und korrupten Führern gelitten hat. Der Mangel an alternativen Arbeitsstellen hat Tausende von kongolesischen Männern, Frauen und Kindern dazu gebracht, ihre eigenen Minen zu graben, um überleben zu können.

Regierungsbeamte erzählten, dass 20% des aus der DR Kongo exportierten Kobalts aus sogenanntem artisanalen Kleinbergbau stammt. Die tatsächlichen Zahlen sind vermutlich deutlich höher. Das in solchen Minen abgebaute Kobalt ist billiger als das aus industriellen Minen, was teilweise an der geringen und unregulierten Bezahlung der Menschen liegt. Durch die steigende Nachfrage nach Kobalt entstehen derzeit in der gesamten Region immer mehr dieser Minen, wie dem Team um Mark Dummett berichtet wurde. Das heißt folglich, dass ein großer Teil des weltweiten genutzten Kobalts aus diesen Minen stammt. Zumeist ist nicht bekannt, wo dieses Kobalt landet. Die Annahme, dass es auch in den Zulieferketten der wenigen Firmen, die den Markt der Autobatterien dominieren, landet, ist jedoch gerechtfertigt.

In Zusammenarbeit mit der kongolesischen Nichtregierungsorganisation Afrewatch dokumentierte Amnesty Fälle von nur sieben Jahre alten Kindern in den Minen. Keiner der Erwachsenen oder Kindern trug Atemmasken zum Schutz gegen den giftigen Kobaltstaub. Ebenfalls brechen regelmäßig Minen ein und begraben Arbeiter unter sich. Genaue Zahlen gibt es nicht, UNICEF schätzt jedoch, dass 40.000 Kinder in den Minen des kobaltreichen Südens der DR Kongo arbeiten.

Bei ihren Nachforschungen konnte das Team um Mark Dummett die Lieferkette von den Minen in der DR Kongo über chinesische Firmen, die das Kobalt aufkauften, den Schmelzereien, den Herstellern von Batteriekomponenten in China und Südkorea weiter zu Batterieherstellern, die die führenden Elektroautohersteller beliefern, nachverfolgen.

Was fordert Amnesty International von diesen Firmen?

2012 veröffentlichte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Richtlinien für Firmen, die Kobalt oder andere Mineralien aus kritischen Gebieten wie der DR Kongo beziehen. Gemäß diesen Richtlinien sollten Elektroauto- und Batteriehersteller ihre Schmelzereien und Raffinerien benennen können. Sie sollten ebenfalls ihre eigene Einschätzung dazu offenlegen, ob die Sorgfaltspraktiken der Schmelzereien ausreichen, Menschenrechtsrisiken und Menschenrechtsverletzungen in ihrer Zulieferkette zu erkennen und anzugehen. Mark Dummett betont, dass er und sein Team Kontakt zu vielen der größten Elektroautohersteller haben und keine einzige dieser Firmen ihnen sagen konnte, dass sie dies getan hätten.

Grund hierfür könnte sein, dass Kobalt nicht unter die Gesetze zur engen Auswahl der „Konfliktmineralien“ fällt. Diese Gesetze gibt es seit 2010 in den Vereinigten Staaten und seit diesem Jahr in der Europäischen Union. Somit fehlen strenge gesetzliche Kontrollen. Dies sollte aber keine Entschuldigung für die mit reichsten Firmen der Welt sein, auf eine angemessene Sorgfaltsprüfung zu verzichten.

Seit dem letzten Amnesty Report 2016 gibt es jedoch auch positive Entwicklungen. So schlossen sich verschiedene Unternehmen, darunter auch einige aus China, zu einer neuen Initiative („Responsible Cobalt Initiative“) zusammen, um die Durchführung der Sorgfaltspflicht basierend auf den OECD Richtlinien zu unterstützen und die Problematik der Kinderarbeit in der DR Kongo in Angriff zu nehmen. An der Initiative sind u.a. führende Tech-Firmen wie Apple, HP, Huawei und Sony; sowie Samsung SDI, ein Batteriehersteller, und Huayou Cobalt, eine Schmelzerei und Raffinerie, deren Tochtergesellschaft Kobalt aus dem artisanalen Kleinbergbau in der DR Kongo bezieht, beteiligt. Keine dieser Firmen ist bislang ein Autohersteller. Außerdem kündigte die Regierung der DR Kongo inzwischen an, Maßnahmen zur Unterbindung der Kinderarbeit bis 2025 ergreifen zu wollen und bittet hierfür um internationale Hilfe.

Dummett fordert Transparenz von Risiken von Menschenrechtsverletzungen in den Lieferketten der Elektroautoindustrie. Auch wenn es schwierig sei die Lieferketten nachzuvollziehen, so sei die Aufgabe jeder verantwortungsbewussten Firma, bei der die Gefahr von Kinderarbeit in der Lieferkette besteht, alles zu tun, um herauszufinden, wer ihre Zulieferer sind und unter welchen Bedingungen die von ihnen genutzten Komponenten produziert werden. Als erste Firma begann Apple dieses Jahr die Namen ihrer Kobaltzulieferer zu veröffentlichen und damit zu zeigen, dass es möglich ist. Welcher Automobilhersteller wird ihrem Beispiel als erster folgen?

Eine andere Rückmeldung von verschiedenen Firmen ist, dass sie gänzlich aufhören wollen Kobalt aus artisanalen Kleinminen der DR Kongo zu beziehen. Dies könnte jedoch negative Auswirkungen auf die bereits verarmten Gemeinden in der DR Kongo, die auf den Bergbau angewiesen sind, haben. Firmen, die bislang von Kinderarbeit profitierten, sollten sich nun nicht einfach der Problematik entziehen. Die Lösung liegt vielmehr in der Regulierung des artisanalen Bergbaus und der Gewährleistung sicherer Arbeitsplätze der Erwachsenen während Kinder die Schule besuchen können.

Weltweit sollten Regierungen Gesetze verabschieden, die Firmen dazu verpflichten, zu überprüfen und öffentlich darzulegen, woher sie Mineralien beziehen. Der freiwillige Ansatz ist nicht ausreichend.

Wir müssen fossilen Brennstoffen den Rücken zuwenden, Elektroautos können wesentlich zu einer grüneren Zukunft beitragen. Aber wenn die Hersteller von Elektroautos wirklich an die Spitze des Marktes treten, müssen sie ihre Praktiken drastisch verbessern und Schritte unternehmen, um sicherstellen, dass ihr Beitrag zur Energiewende wirklich sauber und fair ist. Eine grüne Zukunft zulasten ausgebeuteter Kinder in der DR Kongo, ist in keiner Weise ein Fortschritt.

(letzte Aktualisierung: 05.11.2017)


Weitere Informationen zum Kobaltabbau im Kongo:

(letzte Aktualisierung 3.12.2017)

DR Kongo